Wales: Die perfekte Fahrrad-Destination

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2015 Velothon Wales - June 14th

Sanfte Hügel, saftige Täler, einer zerklüftete Küste und alte Schlösser warten in Wales auf dich ... und dein Fahrrad.

von Carola Felchner 

Wales ist nicht einfach nur die rauere Version von England oder ein lieblicheres Schottland. Dieses Land, das sich an den felsigen Rand Westeuropas schmiegt, ist vollgepackt mit Schönheit, die sich auf relativ wenig Landmasse ballt. Du wirst dort sanfte Hügel, saftig-grüne Täler, eine schroffe Küste, alte Schlösser und viele Möglichkeiten finden, all das zu entdecken was Wales zu bieten hat – kulturell und was das Radfahren betrifft. 

Nehmen wir den VELOTHON Wales als Beispiel. Für diesen spektakulären Event werden die Straßen für den Verkehr gesperrt und die Strecke führt durch atemberaubendes und forderndes Gelände. Die Veranstaltung findet auf demselben Kurs statt, auf dem auch die Profis der UCI European Tour unterwegs sind. 

Um zu vermeiden, dass du all dass, was die Gegend um Cardiff zu bieten hat, verpasst, weil du mit Atmen und Lenker festhalten beschäftigt bist, haben wir ein paar Tipps zusammengestellt für ein verlängertes Wochenende rund um das Velothon-Rennen. „Sobald du die Landesgrenze von England nach Wales überschreitest, fallen die Unterschiede im Erscheinungsbild, in der Einstellung und in der Kultur der beiden Länder sofort auf“, sagt die Webseite Rough Guides Limited über dieses Land. Und sie hat Recht. Es gibt dort tief verwurzelte Tradition, eine Tatsache, die darin offensichtlich wird, dass die Sprache noch immer in der Schule gelehrt wird und es zweisprachige Straßenschilder gibt. Aber Wales und seine Einwohner sind auch sehr zeitgemäß mit lebendigen Universitätsstädten, kultureller Offenheit und der Grundeinstellung, jeden Besucher, der aufgenommen werden möchte, mit offenen Armen zu empfangen – sei es beim Singen im Pub, bei sportlichen Aktivitäten oder Schlosstouren. 

Anreise und Fortbewegung in Cardiff 

Cardiff, die Hauptstadt von Wales und Gastgeber des Velothon Wales, platzt fast vor Sehenswürdigkeiten, Unterhaltungsangeboten, Shoppingmöglichkeiten, kulinarischen Perlen und Kultur. Alt und neu treffen dort auf äußerst attraktive Weise aufeinander – und damit sind nicht nur die Gebäude gemeint. Alles ist leicht zu erreichen, auch die Anreise nach Cardiff selbst ist unkompliziert. Von London aus sind es nur zwei Stunden mit dem Zug. Du musst lediglich eines der Flugzeuge in die britische Hauptstadt nehmen, die von verschiedenen Fluglinien mehrmals täglich angeflogen wird, und in den Zug nach Cardiff steigen. Da die Stadt recht klein ist, könnte dies das letzte Mal sein, an dem du dich bei deinem Aufenthalt motorisiert fortbewegst. Alles ist in Gehweite – oder besser: Radfahrweite – sicher auch deine Unterkunft (die ein Viersterne-Hotel sein könnte wie das Park Plaza Cardiff.) 

Die Stadt ist sehr flach und kann leicht mit dem Rad erkundet werden. Es gibt viele Fahrradständer im Stadtzentrum und verkehrsfreie Fahrradwege. Es gibt sogar eine Fahrrad-Wohltätigkeitsorganisation, die dir gerne bei Fragen und Problemen rund ums Rad weiter hilft: Pedal Power. An ihrem Hauptsitz in Pontcanna kann man alle möglichen Erwachsenen- und Kinderräder mieten. Es gibt dort auch ein nettes Café wo du selbstgemachten Kuchen und Snacks bekommst. 

Von dort aus kannst du verkehrsfrei durch die umliegenden Parklandschaften rollen oder, wenn dir mehr nach Abenteuer ist, etwas weiter fahren zum Taff Trail, der über etwa 89 Kilometer von Cardiff nach Brecon verläuft, zum Celtic Trail West (69 km) von Fishuard nach Chepstow durch die Seenlandschaften des Pembrokeshire Coast National Park in Süd-Wales, zum hügeligen Lôn Cabria (182 km) in Wales Mitte am Fluss Ystwyth entlang, über Bergstraßen und durch Städte wie Llandidloes führt oder zur North Wales Coastal Route (66 km) auf der man locker über Anglesey rollen kann, gefolgt von einem verkehrsfreien Küstenabschnitt hinauf nach Chester im Inland. 

Wenn du innerhalb der Stadtgrenzen bleiben möchtest bei deinem Velothon-Urlaub, findest du aber auch dort viele Möglichkeiten, um die Kurbel kreisen zu lassen. Es gibt sogar verkehrsfreie Radwege in der Stadt wie den Rhymney Trail, der Rhymney und Llanrumney im Osten der Stadt mit Llanedyrn und Pentwyn im Westen verbindet, den Eliy Trail, der von St. Fagans zum International Sports Village in Cardiff Bay führt oder den Bay Trail, einen zehn Kilometer langen Rundweg, der an ein paar netten Sehenswürdigkeiten an der Bucht vorbeiführt. Hole dir eine kostenlose Radkarte unter , in der du nähere Details und Streckenbeschreibungen findest. 

Cardiff ganz natürlich Du bist zwar mitten in der Hauptstadt von Wales, aber du wirst dich fühlen als wärst du mitten in der Natur, wenn du weißt, wo du hingehen musst. Bute Park, zum Beispiel, einer der größten und schönsten Parks des Vereiningten Königreichs, ist das grüne Herz Cardiffs. Er ist so groß wie 75 Fußballfelder und dort gibt es Sportplätze, eine Baumschule und Waldgebiete. Genieße einen Spaziergang oder eine Radtour am Fluss Taff entlang, durch die Sophia Gardens und die Pontcannan Fields bevor du dich zum Cardiff Castle begibst, das in direkter Nachbarschaft liegt. 

Das heutige Schloss besteht eigentlich aus drei Gebäuden in einem: einer römischen Festung, einem Schloss und einem viktorianisch-gotischen Palast. Entdecke die Überreste einer römischen Mauer, erkunde die Bunker aus der Kriegszeit und die außergewöhnlich gestalteten Zimmer des Schlosses bevor du im Pettigrew Tea Room am Eingang zum Bute Park eine Pause einlegst und dir einen sogenannten Ploughman’s Lunch mit Schinken und Käse schmecken lässt. 

Aber in einer Stadt wie Cardiff ist ein Park nicht genug. Nimm’ dir deshalb etwas Zeit für den Roath Park. Er ist eine Ruheoase im Zentrum der geschäftigen Hauptstadt. Die Atmosphäre des klassischen viktorianischen Parks lässt frühere Zeiten erahnen, Einheimische und Besucher verbringen hier gerne ihre Freizeit mit verschiedenen Beschäftigungen. Es gibt dort viele Wildtiere und einen herrlichen Wildblumen-Garten. 

Cardiff häppchenweise 

Glücklicherweise gibt es eine Reihe walisischer Klassiker, für die jede Familie ihr eigenes Rezept hat, um hungrige Radfahrer zu füttern. Walisische Kuchen und Bara Brith-Brot sind etwas für Athleten (und nicht-Athleten) mit süßem Zahn: kleine Kuchen bzw. hefeloses Brot mit Trockenfrüchten und Gewürzen. Wenn du es lieber herzhaft magst nach einer langen Ausfahrt, kannst du auch den traditionellen Cawl probieren, eine Gemüsebrühe mit Glamorgan-Würstchen (ein Fleischersatz aus Käse, Lauch und Brotkrumen) oder Welsh Rarebit (getoastetes Brot in einer reichhaltigen Soße aus geschmolzenem Käse). Probiere auf jeden Fall die eine oder andere dieser Spezialitäten. Cegin y Ddraig (Drachenküche), ein Café im Schloss-Quartier, serviert beispielsweise traditionelles walisisches Essen, das mit lokalen Zutaten zubereitet wird. 

So gut diese Gericht sein mögen, vergiss auch die moderne walisische Küche nicht. Sie zeichnet sich aus durch qualitativ hochwertige Zutaten, die einfach und mit Fokus auf natürliche Aromen zubereitet werden: Lamm, Rind, Meeresfrüchte. Und dann gibt es natürlich noch den walisischen Wein und Whiskey. Probier zum Beispiel einmal das Ffresh, ein Restaurant im Wales Millennium Center, das im Guide Michelin 2015 geführt war. In diesem Zentrum kannst du außerdem deine Radroutine mit etwas internationaler Kunst und Darbietungen von Comedy bis Ballett aufbrechen. 

Cardiff kulturell 

Radfahren ist nicht der einzige Sport, dem Cardiff sein Herz geschenkt hat. Als Gastgeber der Olympischen Fußballwettbewerbe 2012 hat es sich einen guten Ruf als Top-Sportstadt erworben. Es gibt dort ein weltklasse Stadion für Leichtathletik, Fußball, Cricket und Rugby, das International Sports Village bietet einen Pool auf Olympia-Niveau, eine Eislaufbahn und ein Kanu/Kajak-Zentrum. 

Wenn du etwas Entspannteres machen möchtest, besuche das St. Fagans National History Museum, das sich nur eine kurze Radfahrt außerhalb der Stadt befindet und ein toller Ort für die ganze Familie ist. Entdecke wie die Menschen früher in Wales gelebt haben während du durch ein Dorf mit 40 originalen Gebäuden schlenderst und an einem der vielen netten Fleckchen dort ein Picknick machst. Zurück in der Stadt kannst du noch bei der Senedd vorbei schauen, wo die National Assembly sitzt. (Wenn du hinein möchtest, solltest du vorher ein Ticket buchen). Wenn du am Wasser entlang radelst, kommst du am Norwegian Church Arts Centre and Café vorbei, wo der Schriftsteller Roald Dahl getauft wurde. Ein Tipp für Science-Fiction-Liebhaber: in den BBC-Studios gegenüber wird die Doctor Who-Serie gedreht und es gibt eine Zuschauerattraktion namens Doctor Who Experience. 

Lasse den Tag am Mermaid Quay ausklingen, einer Ansammlung von Shops, Bars und (Ketten)Restaurants. Probiere eines der lokalen Biere im The Dock Bar & Kitchen oder schaue auf ein leckeres Craft Bier und die besten Burger der Stadt im Urban Tap House vorbei (das Tiny Rebel Brewing gehört), das gegenüber des Millennium Stadiums liegt. Trotz all dem feinen Bier und Essen, vergiss aber nicht dein Fahrrad mitzunehmen, wenn du aus einer Bar kommst und zurück zum Hotel möchtest – obwohl es dir die Waliser es dir vermutlich sofort zurückbringen würden.

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